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Frage: Was ist Erleuchtung und wie können wir sie erreichen?

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Aaravindha: Erleuchtung ist dein höchstes Potential, deine Selbstrealisation, das, was übrig bleibt, wenn der innere Schein des göttlichen Willens, der deine Sinne belebt, nicht länger verzerrt wird. Versuche zu verstehen, dass alles, was du um dich herum siehst, nicht das ist, was es zu sein scheint. Das Leben findet nicht nur um dich herum statt, es wird durch dich hervorgebracht. Alles was du erfährst, ist eine Interpretation von Eindrücken, die in jedem Moment auf das Innerste deines Mentalapparates (im Folgenden: Mind) treffen. Wird diese Interpretation verzerrt, dann verzerrt das die Erfahrung deiner Realität. Wenn nichts den reinen Schein der erleuchtenden Energie stört, bist du gesegnet: dein Mind frei, den Schein deines wahren Selbstes zu empfangen und auszudrücken. 

Erleuchtung ist ein Seinszustand, der bleibt, wenn alle Verzerrungen des Minds gegangen sind. Deine Erleuchtung gehört dir bereits, sie ist schon da, wartet in dir, wartet auf dein Erwachen, um als deine wahre spirituelle Kunst in den Ausdruck gebracht zu werden.

Es ist wie das Erwachen aus einem langen Traum, du weißt genau, wann dieser Moment gekommen ist, alles wird sehr klar und du erfährst Realität ganz anders als bisher. Du wirst dann für immer erwacht sein und niemals mehr unter dem Einfluss der Ignoranz einschlafen.

Allerdings musst du mit der Absicht, Erleuchtung erreichen zu wollen, ein bisschen vorsichtig sein. Erreichen- oder Werdenwollen implizieren Bemühung oder Verfolgen. Das Verfolgen der Erleuchtung beruht auf Illusion und bekräftigt das Getrenntsein von dem, was bereits verborgen in dir existiert. Jeglicher Versuch, etwas zu werden ist verschwendete Mühe; du bist bereits, was du suchst. Was du jedoch benötigst, ist ein tiefes Commitment, vollkommen präsent und empfänglich zu sein, zu HÖREN. Dieses Commitment kostet im Gegensatz zu dem Versuch, erleuchtet zu werden, keinerlei Anstrengung. Mit dem Jagen nach Erleuchtung kannst du endlose Lebenszeiten verschwenden. 

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So wie eine Blume sich nicht anstrengt, ihren Duft und ihre Schönheit zu verströmen, indem sie sich einfach empfänglich der Sonne zuwendet, die für alles sorgt, was die Blume braucht, so kannst du lernen, dich für dein höheres Selbst empfänglich zu machen, das für alles sorgt, was du brauchst. Durch die erleuchtende Kraft deines höheren Selbstes wirst du mit dem Licht der Schöpfung, dem Licht der Glückseligkeit, Visoka, entzündet. Das ist der Weg zu deiner Selbstrealisation.

Wer bewegt dich jetzt gerade? Wer lässt deinen Atem fließen, dein Blut strömen und deine Gedanken formen? In deiner Erleuchtung wirst du realisieren, dass hinter allem nur der Eine ultimative Beobachter existiert. Du wirst deine Selbstrealisation entdecken, wenn dieser Eine ultimative Beobachter durch dein Sein hindurch scheint, ohne Bemühung, ohne Begrenzung oder Verzerrung. Der größte Fehler, den unsere religiöse Welt seit Jahrtausenden begeht, ist, dass sie ihre Anhänger und Schüler auf den Pfad der Verfolgung von Vollkommenheit gebracht hat. Das Resultat davon ist nicht das Erwachen, sondern eine tiefe Erschöpfung.


Frage: Es gibt so viele Menschen, die schon so lange auf dem Weg sind, und trotzdem nicht erleuchtet sind. Können wir irgendetwas tun, um frei zu sein oder geschieht Erleuchtung letztendlich einfach aus Gnade?

Aaravindha: Viele Suchende haben ihre Sadhanas und Meditationen hingebungsvoll über viele Jahre praktiziert und es ist für sie desillusionierend und nicht einfach zu akzeptieren, dass es eine kleine Schwachstelle in ihrer Lehre gibt. Obwohl Erleuchung ein sehr seltenes Ereignis ist, ist es möglich innerhalb einer Lebenszeit zu erwachen. Essentiell dafür sind richtiges Wissen, die Unterstützung von Techniken, die die Bemühung vermindern und die richtige Führung. Das Leben auf diesem Planeten ist eine Mischung aus Licht und Schatten. Zeitweise mag ein Schatten die Intuition des Suchenden verzerren. Doch diese Schatten können aufgelöst werden.


Frage: Was kannst du tun, um frei zu werden?

Aaravindha: Lerne zuerst den Kampf um Freiheit aufzugeben. Du bist nicht in dieses Leben gekommen, um dich von dem zu befreien, was dir gegeben wurde, sondern die richtige Übereinstimmung mit dem essenziellen Sinn deines Seins zu finden. Eine falsche Wahrnehmung von dem, was du bist oder was das Leben ist, hindert dich daran frei zu sein. Was das Leben anbietet, ist kein Problem für die Erleuchtung. Für den Erwachten ist das Leben "Leela"; das Spiel zum Entzücken Gottes. Ziehe keine Schlußfolgerungen über das Leben, sondern werde wie ein Kind: willig, empfänglich und demütig. Demut bedeutet zu akzeptieren, dass das Leben nicht ist, was du gegenwärtig annimmst. In dem Moment, in dem du realisierst, wer du bist und was das Leben wahrhaftig ist, bist du erleuchtet. Das Leben ruht in einem Feld des unendlichen Potentials. Du kannst dieses Potential benutzen, um dein Leid oder dein Erwachen hervorzubringen.

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Deine Achtsamkeit sollte auf vier wichtigen Prinzipien beruhen: Das erste Prinzip ist die Empfänglichkeit. Du lernst, willig und empfänglich anzuerkennen, was gegenwärtig in deinem Leben ist, ohne Verneinung, ohne Urteil. Jede Lebenssituation, jede Erfahrung trägt eine Lektion des Lehrers in sich. Ob es erfreulich oder schmerzhaft ist, das Leben bietet dir eine Gelegenheit der Realisation. Nur, wenn du dir vollkommen gewahr wirst, was gegenwärtig ist, kannst du diese Realisation erfahren. Das Wichtigste, was du in diesem Moment für dein Erwachen brauchst, ist bereits JETZT HIER.

Das zweite Prinzip ist das Hören. Das intuitive Hören deines Herzens befähigt dich zu erkennen, was wahrhaftig ist. So fängst du an, zwischen Illusion und Wahrheit zu unterscheiden und für die Realisation dieser Wahrheit zu handeln.

Das drittte Prinzip ist die Unterscheidung. Du lernst, deine angenommenen Glaubensmuster nicht länger zu bestätigen. Du hast die Macht, damit aufzuhören, dich und deine Erfahrungen deinen bisherigen Vorstellungen entsprechend zu definieren. Solange du dazu nicht in der Lage bist, kannst du nicht entdecken, was wahrhaftig ist. Die Fähigkeit der korrekten Unterscheidung ist die Grundlage deiner Selbstermächtigung.

Das vierte Prinzip ist das rechte Handeln. Du beginnst, gemäß deinen Realisationen zu handeln. Solange du deine Realisationen nicht aktiv in dein Leben integrierst, sind sie nichts anderes als inspirierende Ideen, die letztendlich in deinem Mind verfliegen.

Erlaube dir, in einem fortwährenden Prozess des Entdeckens zu sein. Entdecke, wer und was du wirklich bist, ohne Hoffnungen zu hegen oder Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Kunst des intuitiven Hörens ermöglicht dir dieses Entdecken. Du lernst, mit deinem spirituellen Herzen zu hören. Dieses liegt im Zentrum deines Kopfes und ist nicht mit dem physischen Herzen zu verwechseln.

Die Wahrheit ist, dass du bereits erleuchtet bist. Hüte dich vor den populären Lehren, die behaupten, dass es einen speziellen Weg zu Gott gibt. Gott IST bereits – JETZT – ÜBERALL - Innen und Außen. Also, wo soll da ein Weg sein? Dieser Moment ist alles, was dein Weg ist. Da ist nur EINE Präsenz, überall wo du hinschaust, überall wo du hingehst.


Frage: Ist es einfach nur Gnade?

Aaravindha: Ja, alles ist Gnade, jeder Atemzug ist Gnade. Wenn du erwacht bist, realisierst du das.


Frage: Sollten wir also jede Idee darüber, wer wir sein könnten oder sein wollen, loslassen und stattdessen lernen zu hören, zu spüren, zu sehen wer wir wirklich sind? In jedem Moment auf´s Neue?

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Aaravindha: Nein. Du wirst nicht erwachen solange du noch immer nach "Jemandem" suchst. Die Bemühung, Jemand zu werden oder Jemand zu sein, ist die Illusion, die dich innerhalb deiner Begrenzungen hält. Diese Suche ist der Versuch zu bestätigen, Jemand zu sein. Du verfolgst etwas, du strebst nach etwas. Du kannst dein Erwachen nicht durch Verfolgen erlangen. Du bist nicht ein Jemand - du bist das EINE - das Undefinierbare – unendliches Potential, ohne Begrenzung. Dein Leben ist nur eine erdenkliche Möglichkeit, dieses Potential durch deine inkarnierte Form in den Ausdruck zu bringen. Wer du wirklich bist, ist viel größer als irgendein Moment vermitteln könnte. Tatsächlich bist du viel größer als eine endlose Zahl von aufeinander folgenden Momenten jemals vermitteln könnte. Es wird dir einfach nicht dienen, ein erleuchtetes Wesen werden zu wollen.

Erleuchtung ist das, was übrig bleibt, wenn alle Illusionen, an die du fälschlicherweise geglaubt hast, sich aufgelöst haben, so dass die erleuchtende Kraft der Schöpfung ohne Verzerrung oder Störung der Ignoranz durch dein individuiertes Wesen strahlen kann. Du bist wie ein Tropfen, der als Linse agiert. Durch diese Linse, diesen Tropfen, dich, kann sich der Ozean, in dem du dich befindest, ausdrücken. Im Wesentlichen ist die Macht des Ozeans auch die Macht aller Tropfen darin und obwohl es eine unendliche Anzahl von Tropfen darin gibt, ist da trotzdem nur der eine Ozean. In Wirklichkeit ist da also nur ein Tropfen, der Ozean selbst. 

Lerne zu hören, was wahrhaftig ist und was nicht. Du musst nicht erst die erleuchtende Kraft werden - du bist sie bereits – es gibt nichts anderes als diese Kraft. Sie wird lediglich durch das Maß deiner Ignoranz begrenzt. Um frei zu sein, musst du die "Kunst des Staubwischens" erlernen. Damit das, was du wahrhaftig bist, von dir empfangen und durch dein Leben ausgedrückt werden kann. Der gröbste Staub auf deiner Linse ist dein Festhalten an einer bestimmten Identität. Durch dieses Festhalten begrenzt du die erleuchtende Kraft der Schöpfung auf deine falschen Glaubenssätze. Dann drückst du diese Begrenzung aus und nicht die Wahrheit. "Ich bin gut oder schlecht, wert oder unwert, schön oder häßlich, reich oder arm". Das sind alles Lügen! Die wahre Kunst des Erwachens besteht darin, diese loszulassen, sie nicht zu bestätigen oder eine weitere, größere Identität, z.B. eine erleuchtete zu erschaffen. Wenn der Tropfen im Ozean so klar ist, dass seine Wände ihn nicht länger dazu bringen, sich eine Trennung vom Ozean vorzustellen, dann ist das, was übrig bleibt, die Erleuchtung. 


Frage: Du sagst, es gibt überhaupt gar kein "Ich", noch nicht einmal ein erleuchtetes. Wenn ich ehrlich bin, macht mir das Angst. Was mache ich jetzt mit dieser Angst? Es fühlt sich an wie Sterben...

Aaravindha: Das ist genau der Punkt an dem die meisten Menschen scheitern: an ihrer Angst genau das zu verlieren, woran sie geglaubt haben.

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Statt an Sterben zu denken, ist es besser zu realisieren, dass du dein wahres Selbst gewinnst. Du hast zwei Realitäten, zwei Gesichter: eines ist Illusion, das andere ist dein wahres Sein. Solange du in Ignoranz bist, ist deine gesamte Realität auf einer illusionären Selbstannahme aufgebaut, die die Grundlage all deiner Emotionen bildet. Diese Illusion umfasst viele verschiedene Persönlichkeiten. Rollen, die du dir für bestimmte Zwecke zurechtgelegt hast. Ein Ich für deinen Liebhaber, eins für deine Geschäftspartner, ein weiteres für die Menschen, die dich nicht mögen, usw. In der Erleuchtung bleibt nur ein ICH übrig: dein höheres Selbst, das sich jenseits der Möglichkeit der Identifikation befindet. Es wartet darauf, durch dich realisiert zu werden. Das geschieht in der Erleuchtung, wenn sich dein Leben jenseits aller Angst bewegt. Das ist deine einzige Chance, frei zu werden, um das göttliche Spiel der Liebe zu leben. Wenn du deinen einzigen wahren Geliebten, dein essenzielles Wesen in dir selbst gefunden hast, schaut dich eben diese Essenz durch jedes dir begegnende Augenpaar an. In dem Augenblick dieser Realisation wirst du beginnen, dein essenzielles Strahlen, das der göttlichen Glückseligkeit entspringt, durch dein Herz zu senden. Deine inkarnierte Form kann die Glückseligkeit fühlen, trinken und sich erinnern. Du wirst vielleicht niemals in der Lage sein, deine wahre Natur zu sehen, aber du wirst sie erfahren. Wenn du jeden Widerstand gegenüber dieser Natur aufgibst, wirst du die Glückseligkeit dessen, was du wirklich bist, fühlen – Visoka. Durch diese Erfahrung spricht dein höheres Selbst zu dir: "Hier bin ich mein Geliebter, hier in diesem Moment, tief in dir. Finde mich hier und du wirst mich überall finden."

Vor der Erleuchtung bist du an deine Anhaftungen und Aversionen gebunden, die deine gewählten Glaubensmuster, Identitäten bekräftigen oder bedrohen. Doch was dich heute glücklich macht, kann dich schon morgen unglücklich machen. Das ist die sich verändernde Natur von Anhaftung und Aversion, sie und die daraus resultierenden Emotionen sind nicht von Dauer. All deine Emotionen, egal welcher Art, stehen immer in direktem Bezug zu deinen Erfahrungen von Erfolg und Versagen. Diese Erfahrungen bestätigen die Glaubensmuster, die dich definieren. Veränderst du deine Glaubensmuster, verändern sich auch deine Emotionen. Solltest du jemals gesagt haben "Ich bin verliebt" und eine Weile später "Ich wünsche mir frei von Leid zu sein", wird ersichtlich, dass Liebe nicht das ist, was Menschen über sie denken. Unsere moderne Gesellschaft stellt Liebe mit einer Emotion gleich, mit einem Gefühl tiefer Zufriedenheit über die Bestätigung in den eigenen Glaubensmustern. Liebe ist keine Emotion, sondern ein Seinszustand. Liebe ist ohne Bedingungen, sie stirbt nie. Sie ist die Realisation, der Ausdruck deines wahren Wesens. In diesem Moment ist deine Erleuchtung nicht länger durch Anhaftungen und Aversionen blockiert. Das Geheimnis der Liebe besteht darin, dass sie erst möglich ist, wenn du frei vom Wunsch bist Jemand zu sein, frei von dem Bedürfnis, deine Glaubensmuster zu bestätigen. Sie ist nur möglich, wenn du dir erlaubst, in der unverteidigten Gegenwart von Gottes lebenserleuchtenden Gnade zu sein.


Frage: Haben wir also keine Emotionen wenn wir erleuchtet sind?

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Aaravindha: Ja und nein. Emotionen sind das Ergebnis von Erfolg oder Misserfolg beim Versuch angenommene Glaubensmuster in Bezug zu dem, was dieses "Ich" zu sein meint zu bekräftigen. Dieses "Ich" ist die Idee, die wir von uns haben und mit der wir uns identifizieren. Was die Menschen mehr als alles andere in ihrem Leben fürchten ist, diese Idee über sich selbst zu verlieren. Einige fürchten diesen Verlust sogar mehr als den Tod. Diese Angst erzeugt alle möglichen mentalen Zustände, die sich als menschliche Emotionen manifestieren.

Es gibt drei Ebenen der Erleuchtung. Auf der letzten und höchsten Ebene ist alles Glückseligkeit. In den ersten beiden gibt es eine kleine Mischung von Emotionen mit variierenden Graden von Glückseligkeit. Einige halten Glückseligkeit fälschlicherweise für eine Emotion. Glückseligkeit geschieht jedoch jenseits aller Emotionen, sie ist reinstes göttliches Entzücken. Du kannst sie in Momenten vollkommener Empfänglichkeit erfahren, als ein ekstatisches Sichoffenbaren deiner eigenen Natur. Glückseligkeit ist unser Begleiter auf dem Weg der Selbstrealisation. Emotionen unterliegen immer irgendwelchen Bedingungen, sie sind Botschafter des inneren Lehrers, der sagt, "Nicht hier entlang! Kannst du fühlen, dass du noch nicht die Wahrheit entdeckt hast? Lass los, höre erneut, in meiner Gegenwart, mit weniger Widerstand." Emotionen sind der Ruf nach richtiger Unterscheidung. Die Weisen wissen das. Du erfährst Glückseligkeit, wenn du so achtsam bist, dass du den Unterschied zwischen Wahrheit und Illusion benennen kannst und diese Wahrheit voller Hingabe in deinem Leben umsetzt. Jedes Kosten dieser Glückseligkeit bringt dich deiner Erleuchtung ein bisschen näher.

 
B7Casc280x418.jpg Frage: Es gibt so viele verschiedene Schulen, Lehrer und Schüler und dennoch kommt es so selten vor, dass ein Schüler erleuchtet wird. Sind die alten Traditionen gescheitert? Brauchen wir im neuen Zeitalter neue Techniken und Lehren auf unserem spirituellen Weg?

Aaravindha: Die Menschheit als Ganzes ist durch einen sehr tiefen Schlaf gegangen. Es war keine einfache Zeit für diejenigen, die Selbstrealisation gesucht haben. Die Absicht zu erwachen war oftmals ein ehrenhaftes Vorhaben, aber oft war das richtige Wissen und die Techniken, die daraus entstanden sind nur teilweise da. Es ist wahr, dass in den letzten Jahrtausenden relativ Wenige ihre Erleuchtung realisiert haben. Natürlich gab es Gurus und Lehrer, die sagten, sie seien erleuchtet und oft glaubten sie auch daran. Aber in Wahrheit ist die Entdeckung eines wahrhaft erleuchteten Lehrers ein sehr seltenes Ereignis. Es ist nicht so, dass all diese Leute unehrlich sind. Häufig glaubten sie aufgrund eines Missverständnisses was Erleuchtung ist, daran erleuchtet zu sein.

 
Frage: Haben die alten Traditionen den wahrhaft Suchenden verfehlt?

Aaravindha: Einige haben es, andere nicht. Diese Welt ist eine Welt von Licht und Schatten. Man muss sehr präsent und willig sein, um das Maß an Demut und Empfänglichkeit aufzubringen, durch ein so gefährliches Meer zu reisen. Zum Glück kann die Macht des Erwachens nicht sterben. Sie wird fortleben und alle Illusionen überdauern. Diese Macht des Erwachens lebt in jedem Wesen. Einige offensichtliche Lehren müssen in unserer spirituellen Erziehung neu strukturiert und reintegriert werden.

Der Weg zur Erleuchtung geschieht durch Akzeptanz und Anerkennung dessen was ist, Rückkehr zur Unschuld, willige Empfänglichkeit, Demut, Großzügigkeit und die richtige Unterscheidung. Diese Qualitäten können nur in der Gegenwart gelebt werden. Sie dienen nicht dazu die Idee der Erleuchtung zu verfolgen. Das Arbeiten für die Früchte seiner Taten blockiert den Weg zur Erleuchtung. Statt unsere Schüler zu ermutigen, einen Lehrer oder Guru zu finden, der sie mit allen Antworten auf jede Frage versorgt, sollten wir sie ermutigen, Lehrer zu finden, die ihnen die richtigen Methoden zeigen, die Antworten in sich selbst zu finden und zu realisieren. Die Selbstrealisation des Schülers hängt allein vom Schüler ab. Statt unsere Schüler zu lehren, sich zu vervollkommnen, sollten wir sie ermutigen, ihre Vollkommenheit fortwährend durch ihren authentischen Selbstausdruck umzusetzen. Lineare Zeit ist begrenzt in ihrem Ausdrucksvermögen. Nur Ewigkeit vermag die unbegrenzte Natur der Vollkommenheit auszudrücken. Vollkommenheit ist realisierbar, nicht erreichbar. Wir müssen unsere Schüler lehren, so gegenwärtig zu werden, dass sie die Vollkommenheit als ihre eigene undefinierbare Essenz realisieren, die niemals vollkommen ausgedrückt werden kann. So müssen wir den Schülern die Willigkeit lehren, Geduld zu üben und die Ewigkeit zu erlauben. Wir müssen unseren Schülern beibringen, ein kleines bisschen dankbar für ihre Unvollkommenheit zu sein. Nur dann, wenn wir ihnen beibringen, dem Ausdruck der Vollkommenheit zu dienen, statt ihn zu verfolgen, ist ihre Erleuchtung gewiss.

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Nur wenige Techniken heutzutage sind in sich komplett. Was fehlt, sind die sehr reinen und machtvollen Methoden, die einmal von den hoch entwickelten Meistern der früheren Zeitalter praktiziert wurden. Viele dieser Techniken kehren nun zurück, um die aufrichtig Suchenden zu unterstützen. Ihr steht auf der Schwelle einer revolutionären Zeit für die Neuerscheinung des wahren Selbstwissens. Was neben den Techniken bisher fehlte, ist das wahre Verständnis einer der zentralsten spirituellen Künste der Menschheit: die Kunst der mitfühlenden Unterscheidung. Es fehlte auch die Weisheit, die dadurch hervorkommt, dass man anderen das gibt, was man selbst braucht. Es fehlt das wahre Verständnis der Funktionsweise des Mind in Bezug zum reinen Bewusstsein. Unsere moderne Welt hat zu viel von ihrer spirituellen Natur zugunsten einer rein am Verstand orientierten Psychologie geopfert. Zu viele Techniken preisen Prozesse an, die sich auf Fehlersuche und deren Behebung fokussieren. Das Selbst braucht keine Reparatur. Es muss nur gereinigt werden, damit das Licht dahinter einen reinen Ausdruck finden kann. 

Die größte und heiligste Wissenschaft, die der Menschheit jemals bekannt war, steht kurz vor ihrem Durchbruch. Du kannst sie kommen fühlen, denn du und viele andere seid ein Teil dieser Revolution im Bewusstsein. Nicht alles, was diese Veränderung mit sich bringt, wird einfach sein; es wird ernsthafte Herausforderungen geben. Jedoch werden am Ende dieses letzten Spiels die langen Leben des Wartens endlich ein Ende haben. Die Erfüllung ist bereits in der Reichweite derer, die willig und hingegeben sind, sich darauf vorzubereiten.

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