Ein anderer Sanskrit Name für Saumedhika Vibuthi ist Atishiddhi, was so viel heißt wie "große Vollkommenheit". Saumedhika ist eine sehr seltene und in der heutigen Welt wenig bekannte Fähigkeit. Für einen Seher ist sie ein wahrer Segen, da sie ein Bewusstsein der feinsten Aspekte von Wahrheitswissen enthüllen kann, das die Entstehung, den Erhalt und das Vergehen des gesamten Spektrums unserer Lebenserfahrungen unterstützt, seien sie nun persönlicher oder unpersönlicher Natur. Im Unterschied zu dem, was wir gemeinhin als unsere mentalen oder Sinnesfähigkeiten verstehen, ist die mit der Saumedhika einhergehende Empfänglichkeit nicht auf eine Erfahrung innerhalb der linearen Zeit oder der Polarität angewiesen. Die Sinnesfunktionen des herkömmlichen Mind sind von der sequentiellen Ordnung, in der sich die Zeit entfaltet, abhängig und durch sie begrenzt, während Saumedhika das nicht ist. Saumedhika Vibhuthi kann als die Fähigkeit beschrieben werden, die Parameter von Zeit und Raum, wie sie überlicherweise erfahren werden, auf der Ebene der Wahrnehmung zu transzendieren, was eine direkte Erkenntnis der lebensilluminierenden Kraft des Bewusstseins ermöglicht. Saumedhika Vibhuthi öffnet das Bewusstsein zu etwas hin, was vielleicht am besten als eine transzendentale Quantenerfahrung von Zeit bezeichnet werden kann. Diese besondere Art der Erfahrung erlaubt ein sehr viel breiteres, globales Verständnis als das, was wir normalerweise antreffen. Aufgrund ihres transzendenten Blicks auf unsere sichtbare Realität bleibt Saumedhika nahezu unbehindert von unserer gewöhnlich zeitorientierten Wahrnehmung, die unser Universum in vergangene, gegenwärtige und zukünftige Ereignisse unterteilt.
Eine vereinfachende Art und Weise Saumedhika zu verstehen, ist durch die Metapher einer Landkarte, die so groß ist, dass sie praktisch keine Begrenzung hat. Nennen wir diese Landkarte ein Feld unendlicher Möglichkeiten. Auf ihr ruht eine Vergrößerungslinse, die jede Möglichkeit, über die sie hinüber gleitet, in den Bereich der Erfahrung bringt. Diese Linse überträgt reines Potential in konkrete Erfahrung. Nun stelle dir vor, diese Linse ist deine individuelle Erfahrung. Ihr Umfang agiert als Begrenzung deines sensorischen Minds. Die von dir wahrgenommene Realität ist also beschränkt auf das, was diese Linse in dein Bewusstsein hinein ausdehnen kann. Damit der sensorische Mind fortlaufend Erfahrungen hervorbringen kann, muss er ständig in Bewegung sein. Der Weg, den die Linse über die Landkarte nimmt, ist die Richtung der Zeit, so wie du sie erfährst. Sie bringt auf diese Weise eine Abfolge von Ereignissen in dein Bewusstsein, die du dein Leben nennst. Was hinter dir ist, ist deine Vergangenheit, was direkt vor dir ist, ist deine Gegenwart, und was voraus liegt, ist deine Zukunft. Egal, wo du dich gerade in deinem Erleben auf dieser Landkarte endloser Möglichkeiten befindest, fährt die Landkarte selbst fort, als Ganzes zu existieren, und offeriert dem Wahrnehmenden immerwährend ihr Potential. Die Bandbreite ihrer Möglichkeiten ist unendlich, ihre Reichweite in der Zeit ewig. Auf diese Weise ist sie unerschöpflich und nahezu frei von jeder Begrenzung. Saumedhika Vibhuthi ist die Fähigkeit, den Umfang der Linse zu vergrößern, indem ihre Ausdehnung völlig transzendiert wird. Dies erlaubt dem essentiell Wahrnehmenden, dem der Mind dient, die Realität auf einer völlig anderen Existenzebene zu erkennen, jenseits der Begrenzungen des sensorischen Minds. Jetzt stelle dir vor, diese Ausdehnung hat praktisch keine Begrenzung in Bezug auf die Richtung, die sie nehmen kann, vorwärts, rückwärts, vergangen, gegenwärtig oder sogar interdimensional.

Die folgende Antwort gab Aaravindha 2006 im Rahmen einer seiner Lehrveranstaltungen auf die Frage, was die Saumedhika-Sicht sei:
"Wir können versuchen, die Funktionsweise der Saumedhika zu verstehen, indem wir uns ein allgegenwärtiges, elementares Scheinen an der Quelle unseres menschlichen Bewusstseins vorstellen. Man könnte sagen, dieses Scheinen ist die tiefste Ebene unserer aus sich selbst heraus strahlenden Bewusstheit; oder diese auch als reine, erleuchtende Kraft des Bewusstseins bezeichnen. Oder man könnte dieses Scheinen ganz einfach die göttliche Ordnung des höheren Selbst nennen, die durch eine in Richtung Leben orientierte, absteigende Kaskade von Übersetzungsfiltern immerwährend den Ausdruck ins Leben hinein sucht. Diese Filter sind das, was zwischen unserem menschlichen sensorischen Mind und dem göttlichen Mind des höheren Selbst existiert. Sobald diese lebenserleuchtende Kraft durch die Abfolge von Filtern - eingeschlossen des durchlässigen Teils unseres Unterbewusstseins, des Alaya - hindurch geflossen ist, manifestiert sie sich in Form der Erfahrungen unseres Lebens und erhellt diese.
Wenn einige dieser Filter durch den Staub der Ignoranz getrübt sind, was wir das Vorhandensein des Alaya nennen könnten, wirkt sich das unweigerlich auf unser Leben aus, und zwar auf die Erfahrungen, die wir machen, und auf die Art und Weise, wie wir diese interpretieren. Man könnte sich auch eine Art Dia vorstellen, das durch eine perfekte, Leben hervorbringende Ordnung illuminiert wird. Auf diesem Dia befinden sich Staubkörnchen. Diese Staubkörnchen sind unsere Illusionen, die schließlich in unsere Erfahrungen übertragen und zur Ursache unseres Leids werden.
Die Saumedhika-Sicht ist eine ungetrübte Sicht, die oberhalb des menschlichen sensorischen Mind beginnt, in der Region des Brahmarandra. Der Brahmarandra ist ein göttlicher Meridian, der über dem Ajna-Chakra bzw. - um es auf körperlicher Ebene zu benennen - oberhalb des Zentrums unseres Gehirns liegt. Der Brahmarandra ist der subtile Meister-Meridian, der nur dem zugänglich ist, der Meisterschaft im Loslassen der Fesseln der Identität erreicht hat, die von Anhaftungen und Aversionen genährt wird und uns im Kreislauf der Wiedergeburt festhält. Der Brahmarandra verbindet die Natur unseres nicht-lokalen, universellen höheren Selbst mit unserer lokalen, individuierten Selbst-Bewusstheit. In anderen Worten, es gibt einen Meridian zwischen der Sahasrara, dem einzigen Chakra, das wir alle miteinander teilen, und unserem individuierten Meisterzentrum, das wir Ajna-Chakra nennen. Entlang dieses Meridians zwischen dem Ajna und der Sahasrara existieren drei sehr subtile Chakras. Das oberste dieser drei Chakras ist der Sitz der Saumedhika-Sicht. Von dieser Ebene der Wahrnehmung aus gesehen ist unsere Erfahrung des Lebens nicht durch die Schatten der Ignoranz beeinträchtigt, die ansonsten auf unserer mentalen Linse vorhanden sein mögen. Hier wird das Leben weder als durch sie beeinträchtigt erfahren, noch ist es durch die Parameter der Zeit in irgendeiner Weise eingeschränkt. Stattdessen bietet es sich als perfektes Wissen dar. Hier führt die subtilste Absicht etwas zu wissen dazu, dass sich augenblicklich alle Aspekte einer intendierten Frage in ihrer Gesamtheit enthüllen, und zwar ohne jede Begrenzung und ohne auf unsere Vorlieben Rücksicht zu nehmen.
Der Brahmarandra ist eine Art "Göttlichkeitskanal", der als Kommunikations- und Übersetzungsmeridian zwischen den Welten fungiert, zwischen aufgestiegenen und unsterblichen Meistern und denjenigen, die wir Seraphime nennen mögen, Halbgötter, Devas oder welche Namen auch immer wir den verborgenen göttlichen Helfern in diesem größeren Universum geben. Saumedhika Vibhuthi ist ein Atisiddhi, eine Fähigkeit, die Große Perfektion direkt zu erkennen, die an der Quelle der gesamten Schöpfung ruht.