In Licht und Liebe
Noch bevor ich Aaravindha überhaupt begegnet war, hatte ich mich bereits für die Intensiv-Ausbildung zum Sambodha-Lehrer bei ihm angemeldet. Diese recht weitreichende Entscheidung war schon nach der ersten Begegnung mit den Menschen von Sambodha so gut wie getroffen. Auf dem Sambodha-Fest im Sommer 2006 überzeugten mich nicht nur die vielen interessanten und inspirierenden Vorträge, sondern auch und vor allem die Freude und das Strahlen in den Augen der Sambodha-Lehrer, die ich dort kennenlernte. So viele Menschen, die ich zum ersten Mal sah und deren Anblick doch so tiefe Gefühle von Wiedererkennen auslöste.
Wissen Ich begann bei einer der von Aaravindha Himadra ausgebildeten Lehrerinnen das Grundwissen zu studieren und war überwältigt von der tiefen Weisheit, die ich in den „Künsten des Seins“ fand: Die „Kunst der Achtsamkeit“, die „Kunst der Akzeptanz“, die „Kunst des Mitgefühls“ und die „Qualitäten der göttlichen Absicht“. Natürlich war mir nicht alles, was ich hörte, völlig neu, aber in keinem anderen spirituellen Kontext hatte ich bisher – und ich war schon so lange auf der Suche - eine solche zugängliche Fülle, Präzision und Vollkommenheit gefunden wie bei Sambodha. Ich bin bisher auf keinerlei Inkongruenzen, Widersprüche oder logische Fehler gestoßen. Das Wissen breitet sich offen, makel- und lückenlos aus und erzeugt eine tiefe Ressonanz von absoluter Wahrheit in meinem Herzen.
Techniken Zur täglichen Meditationspraxis gehört ganz zentral die Mahantarapatha Pavana, eine etwa einstündige Erleuchtungstechnik. Und obwohl der Name ja ein gewisses „Programm“ und damit möglicherweise zielgerichtete Anstrengung zu suggerieren scheint, entfaltet die Technik ihre größte Wirkkraft gerade dann, wenn wir uns ihr in einer inneren Haltung von Mühelosigkeit, Erlauben und Loslassen ganz hingeben. Zusammen mit Beständigkeit, Demut und Unschuld trägt sie zu einer erfüllten und erfüllenden Meditation bei. Wenn man so wie ich nie regelmäßig oder überhaupt meditiert hat, kann man sich vielleicht erstmal kaum vorstellen, jeden Tag eine ganze Stunde Zeit für Meditation erübrigen zu können – und auch zu wollen. Aber aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Es ist nicht nur möglich, es ist sogar ganz wunderbar! Und wie von selbst gesellt sich nach und nach noch die eine oder andere Mantra- oder Selbst-/Heiltechnik dazu und man möchte angesichts der sich langsam aber sicher einstellenden geistigen Klarheit, ruhigen Präsenz und tieferen Gelassenheit keine von ihnen mehr missen. Also zumindest geht es mir so!
Realisationen und Umsetzung Die Auseinandersetzung mit dem Wissen sowie das Praktizieren der Techniken löst sehr wahrscheinlich eine Reihe von individuellen wie universellen Erkenntnissen aus, die uns tiefer und tiefer in unser Dharma führen können – vorausgesetzt wir sind bereit, sie in unserem täglichen Leben immer wieder aufs Neue, also beständig, umzusetzen, ihnen lebendigen Ausdruck zu verleihen. Ich habe schon erlebt, dass eine Realisation, die mir während des Wissensstudiums, in der Meditation oder auch unter der Dusche oder beim Spazierengehen zuteil wurde, mich in dem Moment völlig überwältigt hat und drei Tage später bereits wieder in Vergessenheit geraten war. Wieso? Weil die Umsetzung fehlte. Denn letztlich bleibt jede Realisation, die ich nicht umsetze, bedeutungslos. Und so bedarf es meiner liebevollen, mitfühlenden und nicht-urteilenden Beständigkeit, mich immer wieder an die Erkenntnis zu erinnern und mein Denken, Fühlen und Handeln darauf abzustimmen. Beständigkeit deshalb, weil sich unsere Erkenntnisse oft auf unsere Tendenzen und Muster beziehen, also auf über lange Zeiträume hinweg eingeübte Denk- und Verhaltensweisen, auf Reaktionsschemata und Ängste, die weit in unsere Vergangenheit zurückreichen können. Wenn ich zum Beispiel erkannt habe, dass ich mir selbst immer wieder damit im Weg stehe, dass ich mich verurteile, dann erfordert dies im Alltag zunächst die Achtsamkeit, sich dieser Verurteilungen gewahr zu werden, und dann der Selbstliebe und des Selbstmitgefühls, an deren Stelle etwas Neues, Konstruktives, nämlich die Wahrheit, mein wahres Selbstwissen zu setzen. Die Konsequenz: eine mit jedem abgelegten Muster zunehmende köstliche Freiheit, Leichtigkeit und Freude des Seins. Wenn wir sie einmal gekostet haben, wollen wir immer mehr davon. Ich erlebe zunehmend, dass ich Herausforderungen in meinem Leben als das annehmen kann, was sie sind: Einladungen von Gott-Göttin Lernerfahrungen zu machen, die mir neue Horizonte im Innen und Außen eröffnen können. Das Leben als Leela, als göttliches Spiel, das wir letztlich gar nicht verlieren können, weil das Leben, weil Gott-Göttin immer für uns sind, zu sehen, hilft mir immer wieder, auch in schwierigen Situationen angstfrei in meiner Mitte zu bleiben, geduldig zu sein und mich in Demut allen Möglichkeiten zu öffnen. In Momenten, in denen mir das gelingt, spüre ich eine bisher nicht gekannte Weite, unbändige Freude und ein berauschendes Gefühl der Freiheit in mir, die mich durch und durch mit Ehrfurcht und Dankbarkeit erfüllen.
Aaravindha Ich habe mir immer einen spirituellen Lehrer ohne Guru-Attitüde gewünscht, der keine blinde Gefolgschaft und unbedingte Verehrung verlangt. Einen Lehrer, den ich angesichts seines reinen Seins zutiefst respektieren könnte, und der mir trotzdem auf Augenhöhe begegnet, ein Freund sein würde. Einen Lehrer, der keinen Alleinanspruch auf Meisterschaft verteidigt, sondern den Meister in mir erwecken hilft. Einen, der mir einen Raum eröffnet, in dem ich zu mir selbst finden kann, der mich erkennt und mir vertraut, noch bevor ich selbst dazu in der Lage bin. Und der mir die Freiheit lässt, mich in jedem Moment für oder gegen ihn zu entscheiden. All das habe ich gefunden, und noch viel mehr. Aaravindha ist ein begnadeter Lehrer, der Liebe und Mitgefühl in einer Reinheit ausströmt, die an den betörenden Rosenduft erinnern, der bei besonderen Ereignissen von ihm ausgeht. Einer meiner Lieblingsaussprüche von Aaravindha ist „Alles, was ich je tun werde, ist eure Herzen in Liebe zu halten“. Und genauso lehrt er: aus tiefem Mitgefühl, ohne Anhaftung, die zu Bevormundung oder (Erwartungs-) Druck führen könnte, mit unendlicher Geduld, scheinbar ohne je zu ermüden. Ein weiterer, einzigartiger Aspekt seiner Lehrerschaft ist, dass er immer bedarfsgerecht lehrt. Er stimmt sich in einem Maße auf die jeweils gegenwärtige Gruppe oder Individuen ein, dass kein Seminar dem anderen je gleicht. Ohne es willkürlich oder in seiner Essenz zu verändern, kreiert er das Wissen an Ort und Stelle immer wieder neu und bietet es so dar, dass jeder Anwesende seiner Empfänglichkeit entsprechend genau das bekommt, was er in seiner jeweiligen Entwicklungssituation gerade benötigt, um in seinem eigenen Tempo den nächsten Schritt gehen zu können. So komme ich immer wieder voller Fragen zu einem Seminar, und ohne sie gestellt zu haben, bemerke ich gegen Ende des Seminars, dass sie alle unmerklich beantwortet wurden.
Gemeinschaft Ich erlebe die Sambodha-Gemeinschaft als tiefe Verbundenheit und Vertrautheit zwischen sehr unterschiedlichen, ausgesprochen freiheitsliebenden und eigenständigen Menschen, die eine gemeinsame Ausrichtung haben, die sie aber ganz individuell und selbstbestimmt zum Ausdruck bringen. Individualität, Freiheit und Respekt vor persönlichen Entscheidungen sind für mich Werte, die auch und gerade innerhalb einer Gemeinschaft gewahrt werden müssen. Individualität in Gemeinschaft ist dann möglich, wenn es nicht darum geht, im Namen der Gemeinschaft neue Dogmen und andere Arten der Begrenzung zu schaffen, sondern wenn ein geschützter Raum entsteht, in dem jeder einzelne seine Wahrheit entdecken und sein wahres Selbstwissen authentisch leben kann, was in dem gemeinsamen Vertrauen auf den einen höheren Willen, der uns allen inne wohnt, und in dem Wissen, dass wir alle eins sind, letztlich alle Teile des Ganzen nährt. Die Art von Gemeinschaft, die aus einer solchen inneren Haltung heraus entstehen kann, hat eine ganz einzigartige Qualität, die ich sonst nirgendwo gefunden habe. Wenn ich mich für eine Gemeinschaft nicht verbiegen muss, sondern vielmehr – endlich! - so sein kann, wie ich bin, nämlich immer neu, immer anders, immer frei (und auf dem Weg dahin vielleicht auch mal in Emotionen verhaftet und unausstehlich), dann geht mein Herz auf und jubiliert. All das macht für mich die Besonderheit der Sambodha-Gemeinschaft aus. Jetzt selbst Teil dieser Gemeinschaft zu sein erfüllt mich immer wieder aufs Neue mit tiefer Freude und Dankbarkeit.
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